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UPCYCLING – Aus alt mach neu!

Seit einigen Jahren bezeichnet das englische Wort Upcycling (englisch up „nach oben“ und recycling „Wiederverwertung“) ein neues Phänomen in unserer Gesellschaft, das immer mehr zum Trend wird. Um was handelt es sich wirklich?

Es handelt sich um eine kreative Öko-Bewegung, die in den 1990ern vom deutschen Ingenieur Reiner Pilz ins Leben gerufen wurde. Er kritisierte die Abfallrahmenrichtlinien beim Baustoffrecycling wie folgt: „Ich nenne Recycling Down-cycling. Sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Up-cycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.“ Hinter dem Upcycling steckt also die einfache Idee, ein Abfallprodukt in ein Objekt von Wert zu verwandeln!

Wie funktioniert das Upcycling?
Upcycling, aus alten Dingen neue Objekte mit einem persönlichen Touch zu machen, liegt nicht nur voll im Trend, sondern ist eine Lebenseinstellung. Man übernimmt Verantwortung für das, was bereits produziert wurde. Kurz, man haucht Ausgedientem neues Leben ein.

Upcycling ist ökologisch
Durch den Schwund natürlicher Ressourcen gewinnt Upcycling an Bedeutung. Kosteneinsparungen und neue Vermarktungsmöglichkeiten sind weitere Vorteile. So gibt es bereits unzählige Marken, die voll auf diesen Trend aufgesprungen sind. Die französische Marke Les Toiles du Large produziert aus alten Segelstoffen trendige Taschen. Bei Cyclus werden aus alten Pneus neben Taschen auch praktische Accessoires wie Brieftaschen hergestellt. Die Pariser Designerin mit argentinischen-italienischen Wurzeln Eva Zingoni entwirft aus Stoffabfällen der Haute Couture ihre einzigartigen Kollektionen. Das Upcycling wird auch in grossen Häusern chic, wie zum Beispiel bei Hermès, wo die künstlerische Direktorin Pascale Mussard aus Seiden-, Leder- und Porzellanabfällen die Kollektion „petit h“ initiiert hat. Es handelt sich dabei um OPNI-Objekte „objets poétiques non identifiés“ (poetische, nicht identifizierte Objekte). Auch in der Schweiz sind immer mehr Designer vom Upcycling-Virus befallen, wie man das am Salon Designgut in Winterthur feststellen konnte. Aber die Schweizer Pioniere für Upcycling sind ganz klar die Brüder Freitag aus Zürich, die bereits in den 1990ern die Tasche neu erfinden, indem sie LKW-Planen recyceln. 24 Jahre und viele Innovationen später florieren ihre Boutiquen von Berlin bis Tokio. Ihr Geheimrezept? Gute Ideen natürlich, aber auch eine ganzheitliche Haltung, mit einem Produkt, das schweizerisch, umweltverträglich und auf der ganzen Welt wiedererkennbar ist. Ihr neustes Baby ist der aufblasbare Rollkoffer „Zippelin“.
Im Bereich Industrie arbeitet die 2009 gegründete britische Fondation Ellen MacArthur, eine Non-Profit-Organisation, die zur Botschafterin des Upcyclings geworden ist, mit Partner-Unternehmungen wie Unilever, H&M, Google, Danone und Philips zusammen. Was die Textilindustrie anbelangt, so reduziert sie durch das Recyceln existierender Materialien bei der Produktion den Wasserverbrauch um rund 80% und den CO2-Ausstoss um rund 90%!

Upcycling ist sehr einfach und für alle machbar
Nichts geht verloren, alles wird wiederverwertet. Man kann zu Hause mit den eigenen zehn Fingern und für wenig Geld Objekte kreieren, die schön und einzigartig sind. Lassen Sie sich von den nachstehenden Ideen inspirieren!
*Glasflaschen können mit Perlen, Pailletten, Metallteilchen usw. aufgepeppt und als Blumenvasen oder Kerzenhalter zu neuem Leben erweckt werden.
*Ein altes Holzregal? Geben Sie ihm einen neuen Style, indem sie die sichtbaren Kanten mit einem Band in Ihrer Lieblingsfarbe abdecken.

*Aus Kleidern, die nicht mehr getragen werden, lassen sich mit etwas Kreativität und einigen Nähkenntnissen hübsche Kissenbezüge, Tischsets, Patchworkdecken oder auch trendige Kinderkleider herstellen.
*Alte Holzkleiderbügel lassen sich bemalen und eignen sich in der Küche zum Aufhängen von Tüchern und Putzlappen. Sie können sie auch mit Stoff überziehen und Lavendelsäckchen daran aufhängen, um den Kleiderschrank zu beduften und Motten fernzuhalten.
*Schenken Sie Ihren Lampen einen Verjüngungskick. Hier sind die Möglichkeiten grenzenlos! Der Fuss kann neu bemalt werden, oder sie verändern ihn mit einem Stück Schwemmholz, oder mit gesammelten Steinen, oder mit irgendeinem Lieblings-Objekt (Retro-Auto, Boot aus Holz, Plüschtier, usw.) Den Lampenschirm möbeln Sie mit einem neuen Stoff auf, oder Sie ersetzen ihn mit einer Melone oder einem Zylinder, einer Schaumkelle, einem geflochtenen Korb. Sogar die die Seiten eines Buches können Sie dafür inspirieren.
*Lieben Sie Flohmärkte? Verwandeln Sie Holzleitern, alte Käsereiben, recycelte Bretter, den oberen Teil eines alten Buffets, ausgediente Hartschalenkoffer usw. zu Wandregalen, in denen ihre Lieblingsobjekte zur Schau gestellt werden.
*Kreieren Sie Ihren Indoor-Kräutergarten mit alten Töpfen, frischer Gartenerde, einigen Samen oder Setzlingen.
*Sammeln Sie Ohrhänger? Um Sie immer griffbereit zu haben, befestigen sie auf der Rückseite eines schönen Bilderrahmens einige feine Schnüre, und schon können Sie daran Ihre Schmuckstücke aufhängen!
*Die Verwendung von Warenpaletten zu rustikalen Möbeln ist sozusagen grenzenlos.
*Die Badewanne mit Füssen wird zum Sofa, die Kommode zur Bank.
*Der alte Koffer wird zum übersichtlichen Medikamentenschrank.
Beim Surfen im Internet finden Sie eine Unmenge an Ideen!

 

Als ethische Alternative zum übermässigen Konsum unserer Wegwerfgesellschaft, wird das Upcycling in Form von hochstehendem, ja künstlerischem Recycling, das in vielen Entwicklungsländern überdurchschnittlich häufig angewendet wird, zum Konzept, das „die intelligente, kostengünstige  Wiederverwertung eines Objektes zum Ziel hat, indem man ihm seine Würde zurückgibt und es in etwas Neues verwandelt.“ Ein Trend, der sich in einer schönen, umweltbewussten Art von uns allen umsetzen lässt, und mit dem wir unserem Planeten eine Extraportion Sauerstoff schenken!

Referenz-Sachbuch
„Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“. Co-Autoren sind die Architekten William McDonough und Michael Braungart (2002).

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